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Formaldehyd: Grenzwerte in Frage gestellt
Formaldehyd-Exposition fördert Allergien. Vorsicht vor "selbstgebauten Wasserbett-Podesten". Die zulässigen Formaldehydanteile bei handelsüblichen Spanplatten werden medizinisch in Frage gestellt. Insbesondere bei so direktem und langzeitlichem Kontakt wie "im Bett", sollte nicht am falschen Ende, auf Kosten der Gesundheit gespart werden. Formaldehydfreie Holzbauplatten sind im Handel kaum erhältlich, weil teurer. Es ist uns nur ein Wasserbettenhersteller bekannt, der entsprechendes Material verwendet, trotz steten "Preiskämpfen".
In 80 Haushalten mit insgesamt 53 an Asthma erkrankten und 95 gesunden Kindern wurden die Formaldehyd-Konzentration gemessen und ein Durchschnittswert von 15,8 g/m³, verglichen mit 0,7g/m³ im Freien, ermittelt. Dabei zeigte sich eine lineare Beziehung zwischen der Formaldehyd-Konzentration im Kinderschlafzimmer und dem Atopie-Risiko. Für einen Anstieg um jeweils 10 g/m³ ergab sich eine um 40% höhere Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung gegen ein Umwelt-Allergen. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Formaldehyd-Exposition und exogen-allergischem Asthma bronchiale konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Allerdings hatten Kinder mit Atemwegserkrankungen häufiger Beschwerden, wenn sie Konzentrationen von mehr als 50 g/m³ ausgesetzt waren. Die tolerierbaren Grenzwerte sollten überdacht werden.
Garrett MH et al.:Increased risk of allergy in children due to formaldehyde exposure in homes. Allergy 54 (1999)330-337
Formaldehyd ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie mit einem Produktionsvolumen von 60 000 t / pro Jahr.
Es befindet sich in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens , so in Kunststoffen, Spanplatten und Möbeln, in Textilien, Leder, Kleb- und Schaumstoffen, in Bioziden, Medikamenten, Kosmetika und Körperpflegemitteln, in Farben, Wasch- und Reinigungsmitteln.
Außerdem kommt es in Lebensmitteln vor, z.B. in geräucherten Fleischprodukten oder im Röstkaffee oder es entsteht biogen bei der Zersetzung biologischen Materials und im Zellstoffwechsel sowie als Produkt unvollständiger Verbrennungsprozesse, u.a. im Tabakrauch.
Von der Gesamtproduktion werden etwa 15% als wässrige, 30-40 % -ige Lösung zur Desinfektion eingesetzt (Formalin). Im medizinischen Bereich wird es zur Desinfektion, Sterilisation und Konservierung verwendet.
Durch die Verwendung in Baumaterialien ist Formaldehyd einer der häufigsten organischen Luftschadstoffe und wird als Mitverursacher des " Sick-Building-Syndroms" diskutiert. (nach 2) Formaldehyd ist eines der Bestandteile von Leimen in Holzwerkstoffplatten, vor allem in Holzspanplatten. Als Leime in Holzmaterialien werden u.a. Harnstoff-Formaldehydharzleime ( UF-Leime), Melaminformaldehydleime ( MF-Leime) und Aminoplastmischharzleime (MUF -Leime) eingesetzt. Nach großflächiger Anwendung und Einbau entsprechend gefertigter Holzwerkstoffe kann es auch in Schulgebäuden zu erhöhten Einträgen von Formaldehyd in die Raumluft kommen. Die Höhe der Formaldehydabgabe aus Spanplatten wird auch durch die raumklimatischen Bedingungen beeinflusst. Höhere Raumtemperaturen und höhere relative Luftfeuchtigkeiten erhöhen die Emissionsraten.
Zusätzlich kann Formaldehyd auch durch den Gebrauch von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln in die Raumluft gelangen.
Bereits 1977 beschäftigte sich eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) mit den möglichen gesundheitlichen Folgen erhöhter Formaldehydkonzentrationen in Innenräumen. ( nach 1)
Formaldehyd ist in der MAK- Liste in die Gruppe III B eingestuft für Substanzen mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential.
Als Symptome bei akuter Vergiftung können sich: Schleimhautreizungen, Atemwegsreizungen, Tränenfluss, Husten und Atmnot zeigen. Zentralnervöse Symptome, wie eine Minderung der Konzentration und Leistungsfähigkeit, Schlaf- und Gedächtnisstörungen sowie Kopfschmerzen sind vor allem bei chronischer Exposition im Innenraum zu beobachten.
Formaldehyd ist außerdem ein Kontaktallergen.



